Die brasilianische Holzschnittkunst im 20. Jahrhundert: Zwischen Illustration und moderner Kunst  

Mit Gravuren aus dem Bestand des Museums Casa da Xilogravura

Das Kulturzentrum Österreich-Brasilien präsentiert mit der Ausstellung „Holzschnittkunst in Brasilien im 20. Jahrhundert: Zwischen Illustration und moderner Kunst“ eine Auswahl von Werken aus dem Bestand des Museums Casa da Xilogravura in Campos do Jordão. Es sind dabei 24 brasilianische Künstler seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts bis heute vertreten, die Teil der Hauptrichtungen  der Holzschnittkunst sind: die künstlerische –oder gelehrte – Holzschnittkunst und die volkstümliche Holzschnittkunst nach der Tradition der Cordel-Literatur. Die Schau wird vervollständigt durch Anleihen bei Privatsammlungen von Werken herausragender Künstler Brasiliens wie Gilvan Samico, Raimundo de Oliveira und José Roberto Aguilar.

Die Casa da Xilogravura wurde 1987 in Campos do Jordão (São Paulo) auf Initiative von Prof. Antonio F. Costella  gegründet, um Holzschnitte zu sammeln, aufzubewahren und auszustellen, nämlich Gravuren mit einer in Holz geschnitzten Matrize. Als einzige Institution ihrer Art in Brasilien stellt die Casa da Xilogravura ständig einen Teil ihrer Sammlung aus, die 1257 brasilianische Künstler sowie Künstler aus dem Ausland umfasst und damit eine umfassende Sicht auf die gesamte Geschichte der Holzschnittkunst in Brasilien und weltweit bietet. Das Museum bietet ebenso für den Gebrauch bestimmte Holzschnitte, wie Tarotkarten, Etikette, Cordelbände, Poster, Bücher, Zeitungen usw. Ebenso werden zeitlich beschränkte Ausstellungen, Kurse und andere kulturelle Events veranstaltet.

Nach Aussage von Costello “kann davon ausgegangen werden, dass die Indigenen die ersten waren, die sich auf brasilianischem Territorium mit Holzschnittkunst auseinander setzten. Der Gebrauch von Holzmatrizen, um mit Tinte rituelle Zeichnungen auf menschliche Haut zu drucken und, was seltener war, um Teile der Kleidung zu bedrucken, wurde für zahlreiche indigene Stämme nachgewiesen, unter ihnen vor allem die Canelas, Apinajés und Xavantes, die sich nicht nur aufgrund ihres handwerklichen Geschicks sondern auch wegen der Vielfalt ihrer Modelle auszeichneten.“

Im Zuge der Übersiedelung der königlichen Familien von Portugal nach Brasilien im Jahre 1808 wurden die ersten typographischen Werkstätten in Brasilien gegründet, die zuvor in der Kolonie von der portugiesischen Regierung nicht geduldet wurden: Die Impressão Régia (die Druckerei der Regierung), das Arquivo Militar und das Colégio das Fábricas, unter dessen Dach die Estamparia de Chitas und die Fábrica das Cartas de Jogar, ein wichtiges Monopol der Regierung und wirtschaftliches Hauptstandbein dieser Druckereiwerkstatt, untergebracht waren. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren alle Holzschnittkünstler Ausländer, und der erste Holzschnittkurs Brasiliens sollte erst 1860 eröffnet werden, und zwar im „Instituto Artístico“ der Gebrüder Fleiuss und Carl Linde. Wie es auch in Europa der Fall war, zierten Holzschnitte das gesamte 19. Jahrhundert über diverse Druckerzeugnisse, um sodann vom metallenen Druckstempel abgelöst zu werden. Der Deutsche Adolf Kohler (1882-1950), der einen Holzschnittkurs im Horto Florestal von São Paulo abhielt, wird als einer der letzten Repräsentanten seiner Zunft in Brasilien angesehen. Erst nach der durch den Holzschnitt für Illustrationszwecke erreichten Sättigung erfolgte die Blütezeit der „freien“ Holzschnittkunst in Brasilien durch den Vorstoß von Künstlern, die die Holzschnittkunst als freie künstlerische Ausdrucksform übernahmen und unter denen vor allem Lasar Segall (1891-1957) genannt werden muss. Der Künstler schuf eine bedeutende Sammlung von Holzschnitten eines ausgeprägt expressionistischen Stils, die über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten entstanden und deren Höhepunkt am Beginn der 1940er Jahre mit den Gravuren der Serie „Mangue“ anzusiedeln ist.

Neben Lasar Segall sind folgende Künstler im Bestand des Museums Casa da Xilogravura dieser Ausstellung vertreten: Célio Rosa, Clayton de Araújo, Denise Müller, Fabio Sapede, Luis Carlos Officina, Adolf Kohler, Sussumo Harada, J.Borges, Márcia Santtos, Maringelli, Ciro Fernandes, Hanna Brandt, sowie die eigentlichen Gründer des Museums: Prof. Antonio Costella und seine Frau Leda Campestrin, deren Mitwirkung für das Zustandekommen dieser Ausstellung von elementarer Bedeutung war und denen wir hiermit unseren Dank aussprechen.

Information

  • Die brasilianische Holzschnittkunst im 20. Jahrhundert: Zwischen Illustration und moderner Kunst  

  • Vom 22.12.2021 bis 19.3.2021

  • Kulturzentrum Brasilien-Österreich. Prinz Eugen-Straße 26, A-1040 Wien
    Di-Fr 14:00-19:00, Sa-So 14:00-18:00.

  • Freier Eintritt

  • +43 1 512063217

  • Instagram: @centroculturalbr.at

www.ccbr.at
 

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